Lisa kommt in die Küche gestürmt, wo ihre beiden Großeltern am Tisch sitzen. Oh, was für ein schöner roter Apfel! ruft Lisa. Darf ich davon abbeißen? Du kannst ein Stück Apfel bekommen, sagt Großmutter streng, wenn du mir die richtige Farbe des Apfels sagst. Aber er ist doch rot? sagt Lisa. Der Opa gibt der Oma recht: Nein, nein, schau richtig hin. Welche Farbe hat derApfel? Lisa ist ratlos. Hat sie sich das mit den Farben doch falsch gemerkt? Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!
Der Wochenspruch für den Monat April aus Johannes 20, 29 verweist uns schon auf nach dem Ostermorgen. Thomas glaubte seinen Freunden nicht, dass sie den Auferstandenen gesehen haben. Das finde ich ehrlich gesagt sehr standhaft. Elf Freunde berichten! Und Thomas bleibt bei dem, was er bisher weiß. Erst recht, wenn Menschen, die uns nahestehen, das Gegenteil behaupten, zweifeln wir schnell an unserer eigenen Überzeugung. In der Psychologie heißt das Gaslighting, wenn jemand einem Menschen einredet, dass seine Wahrnehmung nicht stimmt. Das kann gefährlich werden für die psychische Gesundheit, weil das Urteil unserer Mitmenschen wichtig für uns ist.
Thomas zweifelt an dem, was seine Freunde ihm erzählen. Aber er geht nicht weg und lässt die Sache mit Jesus Vergangenheit sein. Sondern er bleibt. Weil er hofft. Er will sich mit eigenen Augen überzeugen, dass Jesus lebt. Jesus erscheint und Thomas' Zweifel verfliegt.
Im Unterschied zu Thomas haben wir Jesus zu seinen Lebzeiten nicht persönlich gekannt. Wir haben den Auferstandenen nicht „in echt“ gesehen oder gehört. Und doch glauben wir an Ihn, an Seine Worte und Wunder, an Seine Auferstehung, an seine Herrschaft. Wir glauben, ohne gesehen zu haben.
Als Christinnen und Christen in einer Umgebung, in der nicht viele Menschen an unserem Arbeitsplatz oder in der Schule unseren Glauben teilen, ist das nicht immer leicht. Sicher haben Sie auch schon solche Reaktionen erlebt. Echt? Daran glaubst du? Das hat doch nichts mit der Wirklichkeit zu tun!
Unser Glaube ist kein Wissen. Sondern er ist Hoffnung. Hoffnung auf das, was wir nicht beweisen können. Hoffnung auf das, was nicht sicher kommt.
Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker in unsrer Seele. So sagt der Monatsspruch für den Mai aus Hebräer 6, 19. Das wünsche ich uns, dass die Hoffnung uns so sicher und gewiss ist, auch wenn viele um uns das Gegenteil behaupten. Und ich wünsche uns, dass wir doch, ab und zu, sehen oder mindestens spüren, was wir glauben. Dass Jesus lebt und mit uns ist.
Lisa hofft auf die Güte ihrer Großeltern – und auf ein Stück Apfel. Sie geht um den Tisch herum zu den beiden, um sie mit ein bisschen Niedlichsein vielleicht doch noch zu überreden. Sie schaut auf den Apfel und reißt die Augen weit auf: Er ist wirklich nicht rot, sondern gelb! Als die Oma den Apfel in die Hand nimmt, um für Lisa ein Stück abzuschneiden, dreht sie ihn dabei, und alle lachen gemeinsam: derApfel ist rot UND gelb, na klar!
Wo und wann Sie Menschen treffen können, die nicht das Gegenteil behaupten, sondern sich für Ihren Glauben und Ihre Hoffnung interessieren und sie mit Ihnen teilen wollen, können Sie in diesem Heft nachlesen.
Eine gesegnete Osterzeit und zwei gesegnete Monate wünscht Ihnen
Pfarrerin Sabine Wagner