Jesus Christus spricht:
„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“
Was ist für Sie ein erfüllter Urlaub? Sind Sie in den letzten Wochen schwitzend durch Berge gekraxelt, aufmerksam durch Museen flaniert oder untätig mit Meeresrauschen im Hintergrund Ihren Gedanken nachgehangen?
Ich hoffe jedenfalls, dass Sie in Ihrem Urlaub das Leben fühlen und in Fülle genießen konnten.
Wenn ich den schönen Monatsspruch für den August im Johannesevangelium im Kapitel 10, Vers 10, lese, denke ich auch schon an die Fülle von Terminen und Verpflichtungen, die mir nach der Sommerpause bevorstehen. Wie viel vom Urlaubsgefühl nehmen Sie mit zurück in den Alltag? Haben Sie sich von Ihrem Urlaubsort einen kitschigen Kühlschrankmagneten oder ein buntes Armband mitgebracht? Haben Sie in den Bergen einen besonderen Stein aufgehoben oder die schönste Muschel vom Strand? Tragen Sie in sich das gute Buch weiter, einen Sonnenuntergang, ein Bergpanorama?
„Besser eine Handvoll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.“
So rät uns der Monatsspruch für September aus dem Buch Prediger in Kapitel 4, Vers 6.
Ich stelle mir eine offene Hand vor, die die Ruhe hält. Aber: Mit nur einer freibleibenden Hand kann man doch nicht arbeiten, einkaufen, den Alltag bewältigen?
Zur Fülle des Lebens gehört beides: aktiv sein, Dinge bewirken, Verantwortung übernehmen. Und ruhen. Zwei Fäuste voll Mühe führen zu keinem guten Ende. Das Leben geht weiter, aber die Ruhe soll mitgehen. Doch die Urlaubserinnerungen tragen nur für kurze Zeit, wenn das Leben wieder anrollt. Wo soll ich die Ruhe hernehmen?
Gott hat uns den siebten Tag der Woche zum Innehalten geschenkt. Dieser Tag ist mehr als Nichtstun. An diesem Tag kann ich meinen Blick aus dem Hamsterrad der To-do-Listen heben und auf den Himmel richten. Ich kann durch den Blick auf Gott für meinen Blick auf mein Leben Abstand gewinnen und erkennen, wo mein Mühen vielleicht Haschen nach Wind ist. Ich kann, was ich die Woche über getan habe, zu Ende denken, als Ergebnis sehen und damit vollenden, indem ich Danke! sage. Ich kann Schweres vor Gott aus der Hand legen und muss es nicht als eine Faust voll Stress in die neue Woche mitnehmen. Ich kann im Gegenüber mit Gott neue Kraft tanken - das soll übrigens ganz gut im Gottesdienst gehen. Die Pfarrerinnen unserer Gemeinden laden Sie jedenfalls herzlich dazu ein!
Einen gesegneten Start ins neue Schul- und Berufsjahr wünscht allen:
Ihre Pfarrerin Sabine Wagner