Ich halte Dich.
Gott.










Gedanken zum 2. Brief des Paulus an die Korinther 4,16-18

Es ist unser Geschick, dass wir in einer Welt leben, mit der wir fertig werden müssen, und mit der wir doch nicht fertig werden. Immer wieder erfahren wir diese Not. Wir wollen die Probleme lösen und meistern. Doch dabei machen wir die Erfahrung unseres Scheiterns. Natürlich gelingen auch einige Dinge. Mit Hilfe von Erinnerungen an die Jugend, oder an Menschen, die uns nahestanden, oder der Musik und der Kunst. Aber es sind Hilfsmittel, die leider allzu oft versagen. Was soll man nun tun?

Zuerst einmal müssen wir wissen, dass es Probleme und Nöte zu allen Zeiten in der Geschichte der Menschheit gegeben hat, und dass auch die damaligen Frauen und Männer mit der Welt fertig werden mussten. Sogar das Evangelium ist hier frei von Illusionen. Es weiß, dass das menschliche Leben schwer ist. Es spricht von Hunger und Durst, von Ungerechtigkeit und Unterdrückung, von Trauer und Tod. So also stehen wir heutigen Zeitgenossen in dieser langen Kette menschlicher Bedrängnisse. Und dabei sagt das Evangelium erstaunlicherweise auch, dass das alles selbstverständlich ist. Nicht selbstverständlich ist das gute Leben, das glatte, geordnete, ohne Kampf durchlebte Leben.

Und das meint auch der Apostel Paulus in seinem Schreiben an die Gemeinde in Korinth. Er schildert sein Leben, dieses wahrhaft nicht leichte Leben. Er sagt es ihnen: Wie haben allenthalben Trübsal, uns ist bange, wir leiden Verfolgung und werden unterdrückt. Und er malt es ihnen vor Augen, wie auch seine Situation ist.

Und nun müssen wir ihn fragen: wie hast du es denn geschafft, woher hast du die Kräfte zur Gestaltung deines Lebens genommen, und warum kannst du sagen: ich verliere nicht den Mut! Und er gibt eine eigenartige Antwort, zusammengefasst in den Worten: Das Reich Gottes ist herbeigekommen.

Damit wird gesagt, dass in der Zeit etwas geschieht, was nicht aus dieser erlebbaren Zeit kommt. Es kommt aus der Ewigkeit, aus der Jenseitigkeit, zusammengefasst in der Person Jesus Christus. Und die Kirche glaubt, dass er der Zeit, unserem Leben, ja der ganzen Welt sinnerfüllte Gegenwart und sinnerfüllte Zukunft schenkt. Darum sagt Paulus, verliere ich nicht den Mut. Natürlich verwandeln sich nicht die Dinge in ihr Gegenteil. Glück bleibt Glück und Leid bleibt Leid. Aber das Leid selbst wird ein anderes. Denn Sinnerfüllung von der Ewigkeit her bedeutet, dass alles, was sichtbar und erfahrbar ist, eingeschlossen ist in Gottes Gegenwart, und dass das jetzt Sichtbare und alles was ich erlebe, hinweist auf die neue Welt. Und darum sagt Paulus: Ich baue nicht auf das, was man sieht, sondern auf das, was jetzt noch keiner sehen kann. Diese Welt vergeht und mit ihr die Kämpfe, aber das Leben, das Gott mir schenkt, das bleibt, und gibt mir die Lebenskraft. Und hier an dieser Stelle muss auch das zweite gesagt werden: Wenn wir Christen sagen, dass wir an die Ewigkeit glauben, dann meinen wir ja damit nicht eine Verlängerung des zeitlichen Daseins in die Ewigkeit hinein. Da würde mancher von uns sagen: nein danke. Sondern wir glauben, dass hinter dem Tod jene neue Welt beginnt, von der das Evangelium so eindringlich spricht. Und Ostern, die Auferstehung von Jesu Christus, ist uns Christen die wirkliche Wirklichkeit, und damit die Gewissheit, dass auch wir in jene neue Welt gehen, hin zu Gott. Das ist der Glaube der Kirche, des wandernden Gottesvolks, Ja, so geschieht Überwindung der Existenzangst. Mit solcher Sicht der Dinge begreife ich, dass mein Leben und Verhängnis sinnvolles Schicksal ist.

Und deswegen kann Paulus sagen: Darum verliere ich nicht den Mut. Mein natürliches Leben geht vorüber. Aber das Leben, das Gott mir schenkt, erneuert sich jeden Tag. Die Leiden, die ich jetzt ertragen muss, gehen vor-über. Aber sie werden mir eine Herrlichkeit bringen, die alle menschlichen Vorstellungen übersteigt. Denn ich baue nicht auf das, was man sieht, sondern auf das, was jetzt noch keiner sehen kann.

Ihr Hans-Wilhelm Ebeling

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